„Das könnte eine prächtige Kulisse werden.“ Dieser Wunsch des Präsidenten des Bürgerausschusses, Richard Frey, ist bei der Bächtlefestserenade am Samstagabend des 20.Juli 2019 im Oberschwabenstadion voll und ganz in Erfüllung gegangen. Sie war eine der längsten, aber auch spektakulärsten Serenaden in der Geschichte des Bächtlefests.
Die Idee, anlässlich des Stadtjubiläums 1200 Jahre Bad Saulgau, die Serenade einem wichtigen Abschnitt der Stadtgeschichte, der über 500-jährigen Zugehörigkeit zum Kaiserreich der Habsburger, zu widmen und dieser Zeit musikalisch die Reminiszenz zu erweisen kam an. Die Tribüne und das Stadionrund waren dicht gefüllt, als die Musikkapellen und Traditionsverbände von Mengen, Riedlingen, Munderkingen/Kirchen, Bad Waldsee und Bad Saulgau mit klingendem Spiel einmarschierten und ein farbenfrohes und imposantes Bild auf den Rasen zauberten. Mit dabei auch eine Abordnung der Uniformierten Schützengarde Himmelberg.
Der Erste Beigeordnete und Oberleutnant der Bürgerwache Saulgau, Richard Striegel, der mit interessantem Hintergrundwissen durchs Programm führte, konnte unter den zahlreichen Gästen auch die Besucher aus den Partnerstädten Chalais und Himmelberg mit den Bürgermeistern Jean-Claude Maury und Heimo Rinösel sowie seitens der Traditionsvereine den früheren Präsidenten der Union der europäischen Wehrhistorischen Gruppen, Helmut Eberl aus Wien, sowie deren Ehrenräte Werner Frick aus Stuttgart und Martin Mink begrüßen.
Nach der Meldung des Kommandanten der Bürgerwache Saulgau Hauptmann, Dirk Riegger, der zusammen mit Musikdirektor Stefan Leja die Gesamtleitung der Serenade hatte, an den Präsidenten des Bürgerausschusses Richard Frey, eröffnete die Stadtkapelle und der Spielmannszug Mengen unter der Leitung von Musikdirektor Ralf Uhl und Tambourmajor Michael Feinäugle den musikalischen Reigen mit der – als Melodieteil in einen Marsch gekleideten Volksweise von Friedrich Silcher „Das Lieben bringt groß Freud“ – bei dem so mancher Zuschauer mitsang. Sonst von schottischen Pipe-Bands gespielt, zählt „Highland cathedral“ zu den bekanntesten Dudelsack-Melodien der Welt. An diesem Abend von den Mengenern gekonnt präsentiert. So manches Musikstück des Abends dokumentierte die enge Bindung zum Nachbarland Österreich, so auch der „92er-Regimentsmarsch“, einer der schönsten 6/8-Märsche aus der Tradition der Militärmusik, den die Stadtmusik Riedlingen unter der Stabführung von Musikdirektor Michael Reiter wirkungsvoll spielte.

Mit viel Beifall und ersten Bravorufen wurde dann die bezaubernde Melodie des von der irischen Volksmusik inspirierten „You raise me up“ mit den charakteristischen fließenden Klängen und der ins Ohr gehenden Melodie belohnt. Als ein würdiger Vertreter Munderkingens präsentierte sich die Musikkapelle Kirchen mit dem Marsch „Mein Heimatland“, um dann mit dem fröhlichen Samba „Holiday in Rio“ mit dem ansteckenden Rhythmus das Publikum gedanklich an die Copacabana zu entführen, was ihnen treffend gelang.
Ruhig und gefühlvoll
Ein österreichischer Militärmarsch-Klassiker ist der „Schönfeldmarsch“, den die Stadtkapelle Bad Waldsee mit ihrem Dirigenten Joachim Weiss zum Besten gab. Wohltuend ruhig und gefühlvoll dann die populäre Pop-Ballade des kanadischen Musikers Leonard Cohen „Hallelujah“. Den Abschluss der Einzelvorträge bildete die Stadtmusik Bad Saulgau und der Spielmannszug, die mit der zweiten Landeshymne Salzburgs den „Rainermarsch“ ihren Beitrag eröffneten. Dass die Bürgerwachsoldaten auch veritable Sänger sind, bewiesen sie bei der auf diesen Marsch getexteten Liedeinlage „Wir von der Bürgerwache“. Als Bravourstück für Posaunen gilt „76 trombones“ aus dem Film „Musicman“ von den Musikern um Stefan Leja wirkungsvoll interpretiert. Finale und Höhepunkt der zweistündigen Serenade dann das Zusammenspiel aller Kapellen mit ihrer vollen musikalischen Klangfülle. Die eigene Lebensfreude bei einem Fest mit anderen zu teilen, brachte der Sänger Campino von den „Die Toten Hosen“ mit dem Song „An Tagen wie diese“ auf den Punkt. So passte diese instrumentale Version für Blasorchester genau für diesen Abend, was die 230 Musiker unter der Stabführung von Stefan Leja unter Beweis stellten. Das Zeug zum Ohrwurm hat der von Marc Lutz komponierte „Saulgauer Stadt- und Festmarsch“ der bei der Klangfülle besonders zur Geltung kam und bei dem die Zuhörer unversehens zu Sängern avancierten. Als Verneigung vor der 500-jährigen Verbindung zu Österreich gab es dann die heimliche Hymne unseres Nachbarlandes, den Marsch „Oh du mein Österreich“ bevor dann mit der Nationalhymne und dem Vorbeimarsch an den Ehrengästen diese imposante, von den Zuschauern mit viel Szenenbeifall und einem begeisterten Schlussbefall bedachte Serenade 2019 endete.